Kauf & Bestandsaufnahme
Vor dem Kauf
habe ich mir vom Verkäufer, einem jungen Mann aus Österreich die Papier und allgemeine Bilder von Zustand es Autos schicken lassen.
Ich fand, das sah eigentlich ganz vielversprechend aus und habe dem Kauf zugestimmt.
Die Info, dass der Motor voll Wasser gelaufen war und nicht mehr drehte, hatte ich da schon, war mir aber nicht wichtig, da ich eh auf V6 umbauen wollte.
Überführung
Für die Abholung hatte ich mir von meinem Freund Peter einen Audi SQ5 geliehen, der stattliche 3t ziehen darf. Einen passenden Trailer habe ich über kleinanzeigen.de gefunden und gemietet.
Der Verkäufer und ich haben uns in Nürnberg getroffen, den Kauf abgewickelt und das Auto umgeladen.
Insgesamt war ich fast 24 Stunden unterwegs, um den Transit nach Oldenburg zu holen.
Bestandsaufnahme
Bevor ich anfing, habe ich mir das Auto zusammen mit Frankie von der Youngtimergarage noch einmal genau angeschaut und eine Bestandsaufnahme gemacht.
Danach haben wir angefangen, das Auto komplett zu zerlegen.
Anschließen habe ich mir einen groben Plan für die Restaurierung gemacht
Refit Karosserie
Entrosten und Schweißen
Natürlich hat auch dieser Transit trotz guter Subsatnz die üblichen Probleme:
Einstiege, Holme hinten, Kotflügelfalz vorne und die Lampentöpfe.
Dazu kommen noch diverse Löcher und Beschädigungen durch den Umbau und die Nutzung bei der Feuerwehr.
Das Dach war durch Begehung auf dem Dachträger eingedrückt. Wir haben es ausgebeult und 5 massive „Überollbügel“ eingescheißt.
Wo möglich, habe ich mit Rostumwandler und Rostschutzlack restauriert.
Die Einstiege wurden komplett geschweißt und durch Rep-Bleche ersetzt, und in den Holm hinten rechts ein Stück U-Träger eingesetzt. Alle Löcher wurden zugeschweißt.
Teilweise wurden die reparierten Stellen verzinnt, oder wo nicht möglich mit Kaltzinn gespachtelt und mit 2K-Rostschutz grundiert.
Die Heckklappe hat ein neues verzinktes Abschlußblech bekommen und wurde an den Aufnahmen für die Leiter massiv durch eingeschweißte Rohre und Flacheisen verstärkt.
Innenraum
Nach dem kompletten Entrosten, schweißen aller Löcher und dem Schließen des alten Schaltdurchlasses, wurde in komplette Lackneuaufbau mit 2k-Grundierung und Rostschutzlack gestrichen und gerollt.
Spachteln und LackvorberEitung
Im Zuge der 3jährigen Renovierung sind immer wieder Zeiten gewesen, wo ich nicht am Auto arbeiten konnte.
In dieser Zeit habe ich offene Metallflächen mit Brantho-Korrux ablackiert, um die restaurierten und reparierten Stellen vor neuer Korrosion zu schützen.
Am Ende haben wir dann wo nötig gespachtelt und mit 1200er Körnung durchgeschliffen, bevor das Auto in die Lackiererei gekommen ist.
Die Felgen, Stoßstangen und das Kühlerblech wurden chemisch entlackt und pulverbeschichtet (verkehrsweiß).
Dachgepäckträger
Den etwas instabilen Dachgepäckträger habe ich komplett entrostet und mit Brantho-Korrux gestrichen. Das Holz der aussenflächen habe ich abgeschliffen und mit Bootslack lackiert. Die Bodenleisten waren leider schon komplett morsch, daher habe ich sie durch stabile Siebdruckplatten wasserfest verleimt ersetzt. Zusammen mit den innen eingeschweißten Überollbügeln ist das Dach nun auch problemlos durch mehrere Personen zu begehen.
Aktuell sind auf dem Dach zwei Solarpanels verbaut, wodurch ein autarker Betrieb von Kompressorkühlbox und das Laden von Handys, Computern und Bluetoothbox möglich ist. Trotzdem ist noch ausreichen Platz für z.B. eine Dachbox oder Fahrräder.
Lackiererei
Im Zuge der 3jährigen Renovierung sind immer wieder Zeiten gewesen, wo ich nicht am Auto arbeiten konnte.
In dieser Zeit habe ich offene Metallflächen mit Brantho-Korrux ablackiert, um die restaurierten und reparierten Stellen vor neuer Korrosion zu schützen.
Am Ende haben wir dann wo nötig gespachtelt und mit 1200er Körnung durchgeschliffen, bevor das Auto zu Ali in die Lackiererei gekommen ist. Der hat dann den letzten Schliff gemacht und im original RAL 3000 „Feuerrot“ lackiert
Die Felgen, Stoßstangen, die Leiter und das Kühlerblech wurden chemisch entlackt und pulverbeschichtet (verkehrsweiß).
Zusammenbau
Fenster einsetzen (alle nochmal mit Karosseriekleber abgedichtet), Stoßstangen, Kühlergrill, Leiter hinten, Griffe, Lampen & Blinker, Spiegel anbauen.
Bei weitem der befriedigendste Teil der ganzen Restaurierung. Heute ein König und so…
Die Signalanlage ist komplett demontiert, trotzdem habe ich die Kappen der Signalanlage weiß lackiert, um das Auto gesetzeskonform fahren zu können, ohne die ganz abzubauen. Selbst die Hupe wurden zerlegt, neu lackiert und sind nun zusammen mit zwei Hella Zusatzscheinwerfern (Fernlicht mit E-Zeichen) sichtbar auf der Stoßstange montiert.
Umbau Motor
Der Spender: Ford Sierra MK1 2,3l V6
Da habe ich doch tatsächlich unglaubliches Glück gehabt.
Auf Ebay wird diese Sierra mit originalen 86.000 km angeboten, als Auktion mit Startpreis 1,- €. Eigentlich in gutem Zustand, nur Motor läuft unrund.
Für 350 € habe ich den Zuschlag bekommen und 3 Tage später aus Grevenbroich abgeholt.
Was soll ich sagen, Zündzeitpunkt bei 10° nach OT!?! Eingestellt und der Motor schnurrte wie Katze.
Also Motor ausgebaut, alles gut dokumentiert und den Rest des Autos in Ersatzteilen nach Finland an Matti, einen Mega-Sierra-Fan verhökert.
Revison der Zylinderköpfe
Durch bleifreies Benzin steigt die Temperatur im Verbrennungsraum gegenüber verbleitem Benzin. Das führt dazu, dass die Ventilsitze und Ventile bei den damals gängigen Legierungen langsamen Schaden nehmen. Um das zu verhindern, kann man (giftige) Additive zum Kraftstoff zusetzen.
Oder man schickt seine Köpfe zu Liebl Kfz-Technik und Motorsport nach Schwandorf in Bayern. Dort wurden meine Köpfe mit gehärteten Ventilsitzen, Ventilen, neuen Schaftdichtungen, Federn usw. versehen, die Ansaugkanäle poliert und die Dichtungsflächen gehohnt. Saubere Arbeit, die Köpfe sind wie neu, auch auf den Flächen der Kipphebel und der zentralen Kipphebelwelle sind keinerlei Laufspuren zu sehen. Damit ist der Johann bleifrei-fest!
Der Block
Wo die Köpfe schon mal abgebaut sind, schaue ich mir die Brennräume, Kolben und Kolbenringe an. Auch die Ölwanne kommt ab und ich kontrolliere die Lager der Kurbelwelle und der Pleuellager.
Alle Aggregate werden abgebaut, also Vergaser, LiMa, Verteiler (schon elektronisch), Krümmer, Sensoren, Kühlflansche, Kraftstoffpumpe, Wasserpumpe, Stirnräder Anlasser, wenn die nicht schon beim Ausbau aus dem Sierra abgenommen wurden.
Der Gussblock wird am Ende entrostet und mit hitzefestem Lack silber lackiert und anschließend alle Bohrungen und Öffnungen gesäubert und gespült, bevor wieder alles mit neuen Dichtungen zusammengesetzt wird.
Aggregate
Der Vergaser ist extern von einem Spezialisten zerlegt und im Ultraschallbad gereinigt worden, bevor er mit neuen Dichtungen, Membranen, Nadelventilen usw. wieder grundeingestellt zurückgekommen ist.
Der Verteiler hat einen neuen Finger und Kappe bekommen, alle Zündkabel und -kerzen wurden erneuert. Die Verteilerwelle hat kein Spiel.
Wasserpumpe und Kraftstoffpumpe, Thermostat und Öldrucksensor sind neu.
Die Lichtmaschine ist noch original und in gutem Zustand, Luft-, Öl- und Kraftstofffilter sind erneuert,
Motorhalter
Es gibt Leute, die sind der Meinung, ein 2,3l Ford V6 passt nicht in den Motorraum eines Transit MK1 ohne eine Dieselschnauze oder Anpassungen im Fahrgastraum.
Es passt, aber nur knapp, Millimeter sind entscheidend.
Umso wichtiger ist eine präzise Anpassung der Motorhalter.
Da ich große Sorge hatte, was die Rennleitung wohl dazu sagt, habe ich diese Teile schon vorab beim TÜV zur Ansicht vorgestellt und dort mein OK zum Einbau bekommen.
Die Hochzeit
Nachdem die Motorhalter angepasst sind, ist es soweit, Motor und Getriebe werden wieder vereint und der Fisch anschließend vorsichtig in den Transit geschoben.
Nach dem Verschrauben der Motorhalter werden die Getriebehalter gefertigt und die Antriebswelle gekürzt (siehe Kapitel Antrieb & Bremsen).
Der Motor wird verkabelt, Anlasser, Lichtmaschine, Krümmer und Auspuff montiert, Kupplungsseil und Gaszug (beides neue) montiert.
Der Auspuff ist selbst geschweißt, 6 in 2, in 1 Anlage, mit BMW E36 Zwischentopf und Ford Focus Endtopf.
Wie man sieht, ist für das Lüfterrad kein Platz, vom vorderen Ende der Riemenscheibe bis zum Querträger sind es 12mm.
Getriebe, Achsen & Bremsen
Erneut ein Spender
Transit MK2 WoMO
Warum erneut ein Spender?
Mit der neuen Motorleistung muss der Johann definitiv eine Frontachse mit Scheibenbremse haben.
Und es ist auch nicht einzusehen, warum mit der alten Heckachse (Übersetzung 1 : 5,83) nur Tempo 80 max. sein soll, wenn der Motor doch mehr Kraft hat.
Also im Internet nach einem alten WoMo gesucht und gefunden. Für 500 € habe ich die Hütte hinter Münster abgeholt. Das war ein krasses Abenteuer, ich habe erst versucht, das wieder mit PKW und Hänger zu machen und den schnell abgebrochen.
Mit dem Autotransporter läuft es dann besser.
Die achsen
Nachdem das WoMo beim Entsorgen vom Stapler fällt und uns fast erschlägt, machen wir uns an das Entrosten und Lackieren der Achsen.
Die Lenkung hat tatsächlich kein Spiel und wird neu abgeschmiert.
Die Heckachse ist die ersehnte 1 : 4.63 Übersetzung. Das Differential wird inspiziert (kein sichtbaren Verschleiß auf Konus- und Zahnrad), neu abgedichtet und mit frischen Differentialöl aufgefüllt
Getriebe und Antriebswelle
Für das Getriebe muss ein neuer Halter links und rechts konstruiert werden. Direkt über der Getriebebrücke ist ein Träger, Glück gehabt!
Jetzt muss ein Loch für die Schaltkullisse geschnitten werden und der Schaltstock durchgeführt und abgedichtet werden. Später werde ich hier noch eine Schaltwegeverkürzung aus dem Capri Motorsport einbauen.
Leider ist die Antriebswelle zu lang und ich finde keinen Spezialbetrieb, der mir die kürzt. Am Ende mache ich es selbst und es funktioniert problemlos.
Der Tacho zeigt jetzt die falsche Geschwindigkeit an, wir machen also eine Messfahrt mit Garmin und iPhone und ermitteln den Faktor 1,37 mal zu wenig zwischen angezeigter und gemessener Geschwindigkeit. Im Internet finde ich ein VDO-Angleichungsgetriebe für Tachowellen aus den 70ern und nach langem Suchen einen Handwerksbetrieb im Osten, der mir die Tachowelle teilt und mit den richtigen Anschlüssen umbaut.
Das Getriebe vom V4 nimmt am Ende der Olaf mit, der mir auch mit vielen anderen Teilen geholfen hat.
Scheibenbremse Vorne
Die Sättel waren natürlich fest und somit fällig für eine Komplettüberholung. Ersatzteile gibt es tatsächlich noch ziemlich problemlos, die Herausforderung liegt darin, die passenden Teile zu bestellen, da es verschiedenste Größen gibt.
So sind nun komplett neue Kolben und Dichtungen, Klötze und Scheiben verbaut.
Da auch alle Bremsleitungen, der Hauptbremszylinder, die Nehmerzylinder hinten und der Ausgleichsbehälter erneuert wurden, habe ich das ganze System auf DOT 5 (mineralisch) umgestellt.
Das ist wartungsfrei, weil nicht hygroskopisch und hitzefest.
Trommelbremse hinten
Auch die Trommelbremsen hinten wurden komplett zerlegt.
Die Trommeln habe ich von der alten Achse genommen, die waren so gut wie nicht eingelaufen.
Ansonsten ist alles neu, Federsatz, Backen und Nehmerzylinder.
Das Handbremsseil ist auch neu. Die Ankerplatten sind gestrahlt und neu lackiert, genauso wie die Trommeln.
Interieur
Armaturenbrett & Instrumente
Das alte Armaturenbrett wird wieder in Form gebracht, die Löcher geschweißt, ein DIN Schacht für ein modernes Radio eingebaut und mit Kunstleder bezogen.
Zusätzliche Elektrik für Rückfahrkamera, Kühlerlüfter, Zusatzscheinwerfer, Anhängerkupplung, Beleuchtung, Türschalter, Radio & Lautsprecher und Zentralverriegelung werden verlegt.
Frankie schenkt mir zwei alte VDO Zusatzinstrumente für Drehzahl und Spannung, die im renovierten Tachoboard Platz finden.
Als Radio dient ein Android Smartradio mit großem Display.
Sitze & Verkleidungen
Die alten Kunstledersitze passen nun überhaupt nicht mehr. Wir entscheiden uns dazu, die Sitze aus dem Wohnmobil zu restaurieren und Dörte schneidert neue Bezüge im GTI Stil der 70er.
Die Türen bekommen neue Pappen und werden mit Kunstleder bezogen. In die Vordertüren werden Lautsprecher eingebaut. Zusätzlich entstehen neue Ablagen in den Türen und alle Einstiege und Kanten werden zum Schutz mit Alu-Riffelblech belegt.
Dachhimmel und A-Säule werden ebenfalls mit neuem Stoff bezogen und als Fußboden ein robuster Autofilz verlegt.
Wohnmobil Ausbau
Heckküche & Bett
Im Heck des Johann ist ein ausziehbare Küche mit einer Einbauspüle mit elektrischen Wasserhahn, einem CADAC Zweiflammenkocher.
Sieben große verriegelbare Schubladen bieten mehr als ausreichendem Stauraum. Als Beleuchtung bei Nacht dient ein LED-Strip als Downlight in der geöffneten Heckklappe.
Über dem Küchenblock ist das aufklappbare, ,140 x 2,00 m große Bett eingebaut. Dieses lässt sich im Innenraum hochklappen, im darunterliegenden Stauraum finden sich der Frischwassertank, Stühle, Tische, Sonnensegel, Grill u.s.w.
Sonnensegel
Zum einziartigen Auftritt vom Johan gehört auch sein selbst von uns genähtes Sonnensegel.
Der Stoff besteht aus 600er Oxford D und die Ränder sind in stabilem Gurtband gesäumt. Als Stangen habe ich massve Edelstahlrohre verwendet.
Mit den stabilen Erdankern hält das Sonnensegel Böen bis 5o km/h aus.
Als Vorlage für das Schnittmuster habe ich erstmal ein Modell 1 : 100 am Esstisch gebaut.